Familie Liebold im Web / USA 2011-2013

Rundmail vier Wochen vor der Rückkehr

Hallo liebe Verwandte und Freunde,

leider ist wieder eine lange Zeit seit unserem letzten Rundmail vergangen und dadurch haben wir nun eine große Liste von Ereignissen aus der dazwischen liegenden Zeit. Wir können in diesem Rundmail nur von den wichtigsten oder interessantesten berichten. Da es aber trotzdem recht viel Text geworden ist hier eine Information für alle, die es nicht bis zum Ende schaffen - wir werden wie geplant am 1. April in Deutschland zurück sein. Wir sind zur Zeit außer mit den Steuererklärungen für USA und Deutschland mit den Vorbereitungen für die Rückkehr beschäftigt.
Doch nun zu den Themen, die seit dem letzten Rundmail von Sommer 2012 erwähnenswert sind.

Homecoming

Anfangen möchten wir mit dem Bericht von einer Tradition an Universitäten und High Schools in USA und Kanada zu Beginn eines neuen Schuljahres - dem Homecoming. Außer einem Umzug durch die Stadt findet zu diesem Anlass meist ein Football Game statt, welches von Schülern und ehemaligen Schülern sowie Lehrern und Eltern besucht wird. Wie auch schon im Jahr davor befürchteten wir, dass es wegen Regen abgesagt wird. Zum Anpfiff gegen 19.00 Uhr hatte der Regen aber aufgehört und das Spiel konnte stattfinden. Anika traf sich mit ihren Freunden am Feldrand und wir sind etwas später hingefahren und erlebten noch mehr als eine Halbzeit sowie den hohen Sieg (49:7) von Ballston Spa gegen Albany. Nach der langen Ferienzeit ist das Homecoming ein Treffpunkt, der von vielen Schülern gern genutzt wird um mit den Freunden zusammen zu sein.

Schöner Herbst - Indian Summer

Die Laubfärbung im Herbst ist eine Attraktion in unserer Gegend hier, in der es sehr viel Wald gibt. Im Wetterbericht wird mit extra Karten gezeigt, wo die Färbung wie weit fortgeschritten ist. Im Herbst davor (2011) war die Zeit der Färbung durch das Wetter im Sommer sehr kurz. Das war im zurückliegenden Herbst (2012) viel besser aber leider schien die Sonne meist an Wochentagen und am Wochenende war es bewölkt. Trotzdem sind wir an einem Wochenende mit einer befreundeten Familie in den benachbarten Bundesstaat Vermont gefahren, haben den Anblick genossen und viele Bilder geschossen.

Treff mit Austauschschülern

Am Sonntag, den 21. Oktober trafen die Schüler aus dem Gymnasium Großröhrsdorf im Rahmen ihres USA Austauschs von Chicago aus per Zug in New York City ein. Hier wollten sie die letzten fünf Tage ihrer Reise verbringen. Das war eine Chance für Anika, einige ihrer Freunde hier zu treffen und sie ihrer besten US-Freundin – Brittany – vorzustellen. Dieser Sonntag war unsere einzige Möglichkeit für solch ein Treffen, da Anika ja an den anderen Tagen in die Schule musste.
Wir waren schon zeitig in Manhattan und haben uns in der Zwischenzeit einige Sehenswürdigkeiten erneut (Wall Street) oder zum ersten Mal (Freedom Tower) angeschaut. Um 18:35 Uhr gab es dann an der Penn Station ein großes "Hallo" – viele Freundinnen von Anika wussten nichts von unserer Überraschung.
Anika und ihre amerikanische Freundin waren gleich mittendrin und konnten einige Zeit mit den deutschen Schülern am Times Square verbringen. Wir hatten ein wenig Zeit zu Gesprächen mit den zwei Lehrern des Gymnasiums.
Gegen 22:00 Uhr mussten wir New York City wieder verlassen und waren dann 1:20 Uhr zu Hause. Die Mädchen konnten im Auto schlafen und mussten nach einer kurzen Nacht am Montag wieder in die Schule.

Geburtstag Ute

Am nächsten Tag war Utes runder Geburtstag. Solche Ereignisse verlaufen fernab von der Heimat immer anders als gewohnt, aber wir haben natürlich in der Zwischenzeit auch hier Freunde gefunden, mit denen ein wenig gefeiert wurde. Für den Tag nach ihrem Geburtstag hatte Ute zum Beispiel mehrere befreundete Ehefrauen anderer GLOBALFOUNDRIES Kollegen zum Frühstück eingeladen. Als Geschenk hatte sie sich Geldspenden gewünscht, die sie dann an das Ronald McDonald House in Albany weitergeben wollte. Diese Organisation bietet Familien die Möglichkeit während einer medizinischen Betreuung ihrer Kinder bei ihnen sein zu können. Sie ist immerhin auf eine $185.- Spende gekommen.
Am Beginn der folgenden Woche traf Hurrikan Sandy auf unsere Region. Wie auch schon im Jahr zuvor bei Irene haben wir wieder wenig der eigentlichen Naturkatastrophe abbekommen, aber besonders die Küstengebiete in New Jersey, Long Island und teilweise Connecticut hat es hart getroffen. Das konntet ihr ja in den Nachrichten zu Hause verfolgen. Die Schüler aus Großröhrsdorf hatten Glück, das sie New York City am Freitag vor der Katastrophe verlassen hatten.

US Präsidentschaftswahlen

Ein weiteres großes Thema im gesamten Herbst war der Wahlkampf zu den Präsidentschaftswahlen. Wir haben alle Fernsehdebatten zwischen Barack Obama und Mitt Romney inklusive der Auswertungen und Kommentare dazu sehr interessiert verfolgt. Auch am Abend des Wahltages – welcher interessanter Weise immer ein Dienstag im November ist - saßen wir gespannt vorm Fernseher und haben die Hochrechnungen und Trends verfolgt. Interessant aus unserer Sicht war, dass es eigentlich recht wenige Bundesstaaten gab, die für den Ausgang als wichtig galten (z.B. Ohio, Virginia, Florida, …) - die sogenannten “swing states”. Der Wahlkampf tobte dort besonders heftig, die Kandidaten und ihre Unterstützer flogen zwischen diesen Staaten hin und her. Im Fernsehen dort gab es sicher kaum noch andere Werbung als Wahlkampfspots. Viele der anderen Staaten stimmen mehrheitlich recht konstant für eine der beiden Parteien. Durch das Wahlsystem mit den Wahlmännern (bei dem der Sieger in einem Staat alle Wahlmännerstimmen dieses Staates bekommt – winner takes all) ist zum Beispiel eine Stimme für den demokratischen Kandidaten im republikanischen Texas oder für den Republikaner im demokratischen Kalifornien recht wertlos. Während die Gesamtstimmen zwischen Obama und Romney in etwa im Verhältnis 52:48 verteilt waren – also recht knapp, gewann Obama bei den Wahlmännern ziemlich deutlich mit ca. 62:38. Unsere Sympathien waren bei Obama und insofern hat uns der Ausgang der Wahlen gefallen.

15.11. - French and Spanish {l}Lip Sync;http://en.wikipedia.org/wiki/Lip_sync} Night Konzert in der Ballston Spa HS

In den Französisch und Spanisch Sprachkursen der Klassenstufen 11 und 12 liefen die Vorbereitungen auf dieses Ereignis schon seit Wochen.
Die Schüler mussten mehrere Gruppen bilden und sich einen Song in französischer bzw. spanischer Sprache aussuchen, welcher in dem Konzert vor den Eltern aufgeführt werden sollte. Der ausgesuchte Titel durfte in den letzten vier Jahren nicht im Schulausscheid vorgekommen sein und musste von den Schülern Lippen synchron zum abgespielten Gesang interpretiert werden (wie beim Playback). In den Unterrichtsstunden vor dem Konzert wurden Requisiten gebaut, Kostüme zusammengestellt, Titel und Tanzschritte einstudiert. Wegen der Proben kam Anika die letzten zwei Tage vor dem Konzert auch später von der Schule nach Hause.
Am Ende entschied eine Jury aus Lehrerinnen und Lehrern über die Platzierungen. Entscheidend war, wie synchron die Lippenbewegungen waren. Leider war Anikas Gruppe nicht unter den Gewinnern aber das Konzert war sehr schön und hat auch gezeigt, dass Schule Spaß machen kann ;-). Wir haben uns gefragt, ob die gleichaltrigen Schüler in Deutschland auch so aus sich heraus gehen und sich so präsentieren würden. Hier ein paar Kostproben davon auf Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=Id3Z2H3fneY, http://www.youtube.com/watch?v=GnDLhm_69OE, http://www.youtube.com/watch?v=Q-65PAecxVw

Thanksgiving in Austin/Texas

Vom 21. bis 25. November hatte Anika wegen Thanksgiving schulfrei und so flogen wir von Albany über Tampa/FL nach Austin/TX, um dort einige schöne Tage zu verleben, Wärme zu tanken und Freunde zu treffen.
Zuerst zeigte uns Uwe, wo er 1997 gewohnt hat, als er bei AMD angefangen hatte und zum Training in den Staaten war. Am Abend trafen wir uns zum Essen mit einem ehemaligen Kollegen von Uwe, der vor mehreren Jahren nach Austin ausgewandert ist.

Am Donnerstag, dem Thanksgiving Feiertag, fuhren wir nach San Antonio. Dort besichtigten wir das Fort Alamo und spazierten den wunderschönen Riverwalk entlang. Es war herrliches Wetter und wir genossen dieses Klima, da wir ja dem Winter von New York entflohen waren.
Abends waren wir dann bei einer Familie eines anderen Kollegen eingeladen, um mit ihnen Thanksgiving zu feiern. Damit hatten wir schon das zweite Mal die Gelegenheit den wichtigsten Feiertag in Amerika im Kreise einer Familie so zu verbringen, wie es hier üblich ist – mit Turkey, Stuffing (Braten-Füllung), Gravy (Bratensauce) und Cranberrysauce (siehe auch US-amerikanische Küche).

Am nächsten Tag unternahmen wir eine kleine Texas Tour – da Texas flächenmäßig fast doppelt so groß ist wie Deutschland, sahen wir freilich auf unserer 200 Meilen (320 km) Tour nur einen kleinen Ausschnitt. Von Austin aus starteten wir nach Johnson City. Der Ort wäre sicher nicht weiter erwähnenswert, wenn nicht der 36. US Präsident Lyndon B. Johnson hier gelebt hätte. Das freilich war Grund genug für ein Visitor Center und wir konnten lernen, dass Johnson nach der Ermordung von Kennedy Präsident wurde und nach Ende der Amtszeit wiedergewählt wurde. Danach ging es weiter nach Fredericksburg – einer Kleinstadt mit deutscher Abstammung (gegründet von Otfried Hans von Meusebach aus dem Lahn-Dill Kreis) und deutscher Partnerstadt Montabaur. Hier sieht man überall Zeichen, die auf die deutsche Abstammung deuten – wie Gaststätten mit deutschen Speisen, Schilder mit deutscher Aufschrift, deutsche Fahnen, eine Pyramide gestiftet aus dem Erzgebirge.
Danach ging es weiter nach Llano, einer Kleinstadt deren Zentrum für uns so aussieht, wie man sich eine Stadt in Texas vorstellt. Mit einem Abstecher an den Buchanan Damm den Uwe damals 1997 noch betreten konnte, was leider seit den Terroranschlägen 2001 aus Sicherheitsgründen nicht mehr erlaubt ist, ging es über Marble Falls zurück nach Austin.

Am Samstag starteten wir zeitig in Richtung Waco nach Oglesby, wo wir Wiebke Knifka (die Tochter einer Nachbarsfamilie aus Kleinröhrsdorf) besuchen wollten. Sie lebt seit September als Austauschschülerin in Texas und wollte uns "ihre kleine Stadt" zeigen. Oglesby hat weniger als 500 Einwohner, die weiter verstreut leben als das in deutschen Dörfern üblich ist. Nach einer kleinen Irrfahrt fanden wir das Haus ihrer Gastfamilie und dann fuhren wir mit Wiebke ins “Zentrum” von Oglesby und zur Schule, die von der ersten bis 12. Klasse weniger Schüler hat als eine Klassenstufe in Anikas Highschool. Damit war Oglesby erschöpft wir fuhren weiter nach Waco und besuchten das Dr. Pepper-Museum und The Texas Rancher Hall of Fame and Museum.
Anschließend wollten die beiden Mädchen noch eine Mall unsicher machen und sie kamen nicht am "Build a Bear" Laden vorbei. Dort hatten sie sehr viel Spaß und eine Stunde später wurden uns dann zwei Bunnies präsentiert. Später trafen wir Wiebkes Gastvati zum gemeinsamen Abendessen und danach mussten wir uns schon wieder auf den Weg zurück nach Austin machen.

Am Sonntagmorgen nach dem Frühstück besichtigten wir nochmal Austin per kleiner Stadtrundfahrt in unserem Mietauto. Nach unserem Rückflug über Orlando/FL kamen wir 0.30 Uhr in Albany an und eine weitere Stunde später betraten wir unsere kalte Wohnung. Es war nur ein verlängertes Wochenende aber wir haben trotzdem viel gesehen und es hat uns gefallen.

Weihnachten in Ballston Spa

In der Adventszeit hat Ute mit befreundeten Frauen von Arbeitskollegen Weihnachtskränze für die Tür und den Tisch gebunden. An einem Adventssonntag trafen wir uns dann mit vier anderen Familien zum Plätzchen backen und Weihnachtsliedersingen zu "handgemachter Musik".
Zum Weihnachtsfest und über Neujahr hat uns Luisa besucht. Wir holten sie in Newark am Flughafen ab und nutzten die Gelegenheit gleich, um den berühmten, aber wegen vielen Leuten kaum erreichbaren Weihnachtsbaum am Rockefeller Center zu bestaunen.
Wir begingen das Weihnachtsfest traditionell deutsch mit Kartoffelsalat und Wiener Würstchen sowie Bescherung am frühen Abend des 24.12. – nicht wie hier üblich am Morgen des 25.12. Am 1. Weihnachtsfeiertag gab es Truthahn und alles was bei den Amerikanern dazugehört. Es war sehr lecker und die "Reste" reichten auch noch für den nächsten Abend, zu dem wir Freunde eingeladen hatten.
Zwischen den Feiertagen genossen wir die Winterlandschaft bei Skiabfahrt und Schlittenfahrt. Den Jahreswechsel verbrachten wir bei einer befreundeten amerikanischen Familie - für unsere Verhältnisse war es für einen Jahreswechsel zu ruhig. Private Böllerei ist im Staat New York nicht erlaubt und so gibt es nur an offiziellen Plätzen organisierte Feuerwerke.
Wir freuen uns wieder auf Weihnachten und Jahreswechsel zu Hause, wo unserer Meinung nach eine schönere Weihnachtsstimmung herrscht.

Wintersturm Nemo

Die ersten beiden Monate im neuen Jahr vergingen wie im Flug. Das wechselhafte Winterwetter war vergleichbar mit zu Hause. Den Nordosten der USA hat inzwischen ein weiteres Unwetter beschäftigt – der Wintersturm Nemo. Teilweise waren wieder Gebiete betroffen, die noch von den Schäden des Hurrikan Sandy gezeichnet sind. Dieser Sturm hat zum Beispiel in Teilen von Connecticut binnen kurzer Zeit bis zu einem Meter nassen Schnee ausgeschüttet. Damit verbunden waren natürlich wieder Stromausfälle für viele Verbraucher für eine recht lange Zeit. Auch bei uns wurde für Freitag den 8. Februar vorsorglich die Schule abgesagt. Allerdings kamen erst in der folgenden Nacht ein paar Zentimeter Neuschnee.
Im Januar hatte Anika eine Woche schulfrei. Sie hatte ihre Freundin Brittany für einige Tage zu Besuch. Sie haben zusammen Gitarre geübt, Handarbeiten gemacht, gekocht und Brittany hat ein wenig Deutsch gelernt. Sie haben diese Zeit zusammen genossen. Vielleicht wird daraus eine Freundschaft fürs Leben.

Wie schon am Anfang erwähnt, stecken wir schon mitten in den Vorbereitungen für die Rückkehr. Heute brechen unsere letzten vier Wochen an. Wir hoffen, unser Bericht hat euch gefallen und wir freuen uns auf ein gesundes Wiedersehen in Deutschland.

Bis bald zu Hause
Anika, Ute und Uwe