Familie Liebold im Web / USA 2011-2013

Rundmail Sommer 2012

Hallo zu Hause,

Wie geht es euch?
Es ist schon wieder eine recht lange Zeit seit unserem letzten Rundmail vergangen. Der Sommer war so abwechslungsreich, dass wir nicht zum Schreiben gekommen sind.

Gestern war Labor Day – ein nationaler Feiertag = arbeitsfrei :-)

Mit dem Labor Day endet hier quasi der Sommer und wir sind schon ein wenig traurig darüber, denn viele Attraktionen und Veranstaltungen finden nur zwischen dem Memorial Day (in diesem Jahr dem 28. Mai) und dem Labor Day statt. Scherzhaft sagen wir, dass jetzt die Fußwege wieder hochgeklappt werden.
Am Memorial Day gibt es in vielen Orten Paraden zum Gedenken an die gefallenen Soldaten. Von der Parade in Ballston Spa, hatten wir ein paar Bilder und ein wenig Text auf unsere Webseite gestellt.
Vom Labor Day sind uns keine nennenswerten Veranstaltungen bekannt. Die Amerikaner reisen an diesem langen Wochenende ganz gern und die Schulferien enden. Danach schließen Freibäder, Minigolfanlagen, Eisdielen usw.. Wir stellen uns langsam auf den Herbst ein zumal man an den Blättern der Bäume schon erste Verfärbungen wahrnehmen kann und die Tage schon deutlich kürzer sind.
Doch was haben wir bis hierher alles erlebt?

Hitzewelle

Ganz Amerika hat in diesem Sommer unter einer recht ungewöhnlichen Hitzewelle gelitten – darüber wurde ja auch in den deutschen Medien berichtet. Besonders stark betroffen ist die Mitte des Landes. Aber auch hier im Nordosten von Amerika ist es heißer und trockener als gewöhnlich. Was es in unserer Ecke recht unangenehm gemacht hat, ist die hohe Luftfeuchtigkeit. Unsere schlecht isolierte Wohnung heizt sich wie eine Sauna auf. Aber davon hatten wir wohl auch im letzten Sommer schon berichtet.
Zumindest gibt es bei uns – im Gegensatz zur Mitte der Vereinigten Staaten – noch hin und wieder Niederschläge. Hier sieht nichts ausgedörrt aus. Wir haben mehr Wald und nur wenig Landwirtschaft, der das zugutekommen würde.
Inzwischen ist Hurrikan Isaac über Teile der USA gefegt. Die meisten Schäden gehen nicht auf das Konto des Sturms sondern den damit einhergehenden Regenmassen. Im letzten Jahr hatten uns die Ausläufer von Hurrikan Irene gestreift. Die durch Überflutungen entstandenen Schäden sind immer noch nicht überall beseitigt.

Anika hat die 9. Klasse beendet

Seit 23. Juni sind hier Ferien und erst am 6. September muss Anika wieder in die Schule. Wir finden die Ferien sind zu lang – die Kinder haben damit meist kein Problem.
In den Wochen vor den Ferien fanden die Prüfungen zum Schuljahresabschluss statt. Jedes Schuljahr auf der High-School wird mit Prüfungen beendet. Vom Ablauf her ist es vergleichbar mit der Prüfungszeit am Ende der 10. Klasse oder am Ende des Gymnasiums in Deutschland. Man muss zum Beispiel nur an den Tagen in die Schule, an denen man eine Prüfung hat.
Anikas Leistungen waren, wie auch schon in früheren Rundmails berichtet, sehr gut – siehe “Anika report card.pdf“.
Davor gab es am 23. Mai in Anikas Schule ein Ereignis, welches man als Eltern nicht unbedingt erleben will. Um es vorweg zu nehmen, es ist nichts schlimmes passiert.
Wir hatten über Eltern anderer Kinder und Kollegen am Nachmittag erfahren, dass die Schule von der Polizei abgeriegelt ist und Hubschrauber über das Gelände kreisen. Die Schüler durften die Schule nicht verlassen. Lehrer und Schüler “verbarrikadierten“ sich in den Klassenräumen – sowas wird auch regelmäßig geübt. Die Schulbusse, die schon bereit standen, wurden wieder ins Depot beordert, um den Eindruck einer leeren Schule zu erwecken. Zu Hause machten sich wartende Eltern natürlich Gedanken, wo denn die Kinder bleiben. Ute konnte Anika über ihr Handy erreichen und erfuhr so: “Sind noch in der Schule ...alles ok!!“.
Die Ursache für die ganze Aufregung war ein bewaffneter Banküberfall in einer Filiale der “Adirondack Trust“ gegenüber der Schule. Ein Bankräuber floh mit einem Auto und ein anderer flüchtete mit der Waffe in der Hand in Richtung der Schule. Zum Glück ist er nicht in die Schule eingedrungen und nachdem er gefasst worden war, konnten die Kinder die Schule eine Stunde später als sonst verlassen. An diesem Tag fiel der Empfang zu Hause mit einem festen Drücken herzlicher aus als gewöhnlich.

Marcus und Sandra machen wieder Urlaub bei uns

Marcus und Freundin Sandra haben die Gelegenheit, dass wir hier wohnen, nochmal für einen Urlaub in den Staaten genutzt. Beide sind inzwischen Facharbeiter und von ihren Ausbildungsbetrieben übernommen worden. Somit haben sie sich in diesem Jahr drei Wochen Urlaub gegönnt. Sie hatten ziemlich genaue Vorstellungen, was sie alles sehen oder erleben wollten. Bis auf das Treffen mit einem Bären in freier Wildbahn und einen Abstecher nach Kanada, ist diese Liste abgearbeitet worden. So haben sie die Städte Washington, Philadelphia und Boston besucht, waren beim Rodeo, im Autokino von Malta, beim Autorennen (Dirtracing), haben eine Wal-Tour unternommen, es wurden fast alle Donuts von Dunkin Donuts probiert und vieles mehr.
Außerdem haben sie auch einige unserer Freunde hier kennengelernt und konnten auf diese Weise mehr erleben als ein "normaler USA-Tourist". Es war also wieder ein gelungener und abwechslungsreicher Urlaub von dem sie viele bleibende Erinnerungen mitnehmen konnten.

Familienwochenende in Lake Placid, NY (15. bis 17. Juni)

Luisa hat es nach erfolgreichem Studienabschluss – sie hat nun das 1. Staatsexamen als Grund-und Realschullehrerin für Bilingualen Unterricht in Mathematik und Englisch in der Tasche - ebenfalls wieder hierher gezogen. Sie ist am 8. Juni in New York angekommen und wird für 90 Tage (solange man ohne Visum als Tourist hierher kommen kann) bis 5. September hier bleiben. Ihr Referendariat, welches in Baden-Württemberg eineinhalb Jahre dauert, kann sie erst Anfang 2013 antreten.
Wir haben diese Chance, alle unsere Kinder hier zu haben, für ein verlängertes Familienwochenende in Lake Placid genutzt. Dafür haben wir den Mietwagen, den uns die Firma stellt, gegen einen Van getauscht und eine Haushälfte eines gut ausgestatteten und gemütlichen Ferienhauses gemietet. Es wurden wunderschöne Tage, ob beim Bummel durch Lake Placid, dem BBQ auf der Terrasse des Ferienhauses, dem Paddeln auf dem Mirror Lake oder beim Besichtigen der Wintersportanlagen.

Zwei bzw. drei Wochen “Urlaub“ in Kleinröhrsdorf

Den zweiten von der Firma bezahlten Flug nach Hause, hatten wir für diesen Sommer geplant. Wir sind zusammen mit Marcus und Sandra am 23. Juni nach Dresden geflogen. Zunächst hatten wir auf dem Hinflug ziemliches Pech mit unserer Verbindung und mussten sogar eine Nacht im Flughafen in Philadelphia verbringen. Durch die vielen Treffen mit Verwandten und Freunden und auch durch die Abstecher auf Arbeit bzw. in der Schule von Uwe und Anika vergingen die Tage sehr rasch. Wir hatten das Gefühl, diese Urlaubstage verflogen viel schneller als zu Weihnachten und um den Jahreswechsel. Arbeitsbedingt und um Urlaubstage für weitere Ausflüge zu sparen, musste Uwe schon nach zwei Wochen zurück. Anika und Ute flogen dann den darauffolgenden Freitag nach Boston zurück, wo Luisa sie mit dem Mietauto abholte und nach Ballston Spa brachte.

Ballston Spa-Niagara Fälle-Toronto-Kingston-Montreal-Ballston Spa in 5 Tagen = 1660 Kilometer rund um den Ontario See

Wir haben viele Ziele in den USA, die wir gern noch besuchen würden – Texas und Kalifornien zum Beispiel. Aber da Inlandflüge in der Hauptreisezeit – also in den Ferien und zu Feiertagen, die längere Wochenenden ergeben – auch sehr teuer sind und aus unserer Ecke recht viel Zeit in Anspruch nehmen, haben wir für diesen Sommer kürzere, mit dem Auto erreichbare Ziele gewählt.
Unsere Kanada Fahrt führte uns am 10. August zuerst an die Niagara Fälle. Wir wollten die Fälle gern am Abend beleuchtet und mit Feuerwerk sehen und sind der Meinung, es hat sich gelohnt. Am nächsten Tag fuhren wir nach Toronto. Dort schauten wir uns die Stadt von aus einer der höchsten Aussichtsplattformen der Welt (447 Meter) vom CN Tower an und besuchten den Distillery District – eine historische Industrieanlage, die heute als Künstler- und Vergnügungsviertel genutzt wird. Den Spaß an einer längeren Stadttour per pedes verdarb uns an diesem Tag leider der "monsunartige Regen".
Auf dem Weg zu unserer nächsten Station – Kingston - befuhren wir den Loyalist Parkway und machten uns ein wenig mit der kanadischen Geschichte vertraut. Als letzte Etappe waren wir noch in Montreal und haben unter anderem eine zweieinhalbstündige, sehr interessante Stadtrundfahrt unternommen und uns anschließend Montreals berühmte Untergrundstadt angeschaut.
Uns hat Montreal besser gefallen als Toronto, was sicher auch daran liegen kann, dass wir in Montreal besseres Wetter erwischt hatten.

Cape Cod vom 24. bis 27. August

Auf die Idee, an einem weiteren verlängertem Wochenende einen Trip nach Cape Cod zu unternehmen, kamen wir, nachdem Marcus und Sandra von ihrem Ausflug dorthin berichteten und die Bilder gezeigt hatten. Luisa hatte sofort gesagt, dass sie bei einem solchen Ausflug gern mit von der Partie wäre. Außerdem hat Anika ihre Freundin Brittany eingeladen, mit deren Familie sie nach der Rückkehr aus Deutschland auch eine Woche Camping-Urlaub verbracht hatte.
Am Anreisetag, für den wir statt dem Highway eine abwechslungsreiche Strecke durch das “Land“ gewählt hatten, blieb noch etwas Zeit für einen Abstecher in die Hauptstadt des US Bundesstaates Rhode Island – Providence. Für den nächsten Tag hatten wir den Besuch der Mayflower (dem Nachbau des Segelschiffes, mit dem die Aussiedler 1620 aus dem englischen Königreich in die USA gekommen waren) und der Plimoth Plantation (einem Freilichtmuseum in dem Schausteller das Leben von damals als englische Siedler und einheimische Indianer darstellen und erklären) geplant. Außerdem besuchten wir den nördlichsten Zipfel der Halbinsel mit der hübschen Stadt Provincetown. Am Abreisetag genossen wir das prächtige Wetter noch bis 17:00 Uhr am schönen Sandstrand. Da die Bucht an der Stelle, die wir ausgewählt hatten, sehr flach ist, konnte man während der Ebbe mehr als eine Meile laufen, ehe man am Wasser war. Für die Rückreise haben wir dann die schnellste Variante – Highway mit nur einer Pause – gewählt (insgesamt 5 Stunden), weil Uwe am nächsten Tag wieder auf Arbeit musste.

Zusammenfassend kann man sagen, dass diese vielen zum Teil recht kurzen Reisen, zwar die Möglichkeit geboten haben, sehr viel zu sehen aber man verfährt auch sehr viel Zeit und ist ständig am Ein- und Auspacken, sowie am Vor- und Nachbereiten. Richtig erholsam ist etwas anders.

Dadurch, dass unser letztes Rundmail schon eine ganze Zeit zurück liegt, ist es jetzt wieder ein recht viel Text geworden. Wir hoffen, ihr habt es trotzdem bis ans Ende geschafft und es hat euch gefallen. Ab Donnerstag kehrt mit dem Beginn der Schulzeit wieder der “richtige“ Alltag bei uns ein und wir hoffen auf einen wunderschönen Herbst und auf einen Winter mit etwas mehr Schnee als im letzten Jahr. Außerdem können wir die Präsidentenwahl “hautnah“ miterleben. Davon vielleicht im nächsten Rundmail einige Eindrücke.

Viele liebe Grüße
Anika, Ute und Uwe