Familie Liebold im Web / USA 2011-2013

Rundmail nach dem Sommer

Hallo liebe Freunde!

Nun ist seit dem letzten Rundmail doch wieder mehr Zeit vergangen als wir uns vorgenommen hatten. Also müsst ihr wieder einen langen Bericht in Kauf nehmen.

Wir sind jetzt ein halbes Jahr hier - wie die Zeit vergeht.
Beim letzten Rundmail hatten wir gerade den Independence Day (4. Juli) gefeiert. Jetzt ist der Labor Day (5. September) schon wieder einen Monat her. Zwischendurch hatten wir nur kurz gemeldet, dass wir die Naturereignisse (Erdbeben, Hurrikan Irene und damit verbundene Regenmengen und gelegentliche Tornados) unbeschadet überstanden hatten. Im Prinzip liegt hier im Norden der USA zwischen diesen beiden Feiertagen der Sommer. Unabhängig vom tatsächlichen Wetter öffnen Attraktionen in dieser Zeit (der Pool im Wohngebiet, das Minigolf, verschiedene Eisdielen, ...). Danach hat man den Eindruck, dass die Bürgersteige hochgeklappt werden - okay, das ist natürlich ein wenig übertrieben - es gibt immer noch Attraktionen. Der Sommer war wettermäßig sehr gut, teilweise war es uns sogar zu warm und wir haben in unserem schlecht isoliertem Apartment (oder sollte man eher "nicht gedämmten" sagen?) tüchtig geschwitzt. Bald werden wir sicher anderes berichten müssen, da die Wohnung natürlich genauso schnell ausgekühlt ist (wir mussten schon heizen als es mal zwei, drei Tage ein wenig kälter war). Was hat sich in dieser Zeit bei uns alles ereignet?

Driver License = Führerschein

Über dieses Thema hatten wir ja schon im Rundmail Anfang Juli berichtet und es hat uns leider auch noch den ganzen Sommer mehr oder weniger stark beschäftigt. Damals stand der Termin für den Road-Test unmittelbar bevor (12. Juli). An diesem Tag hatten wir zwei Termine im Abstand von einer Stunde für Ute und Uwe reserviert. Außerdem muss man von einem Fahrer zum Road-Test begleitet werden, der im Besitz einer New York Driver License ist (das macht sicher nur für die Fahranfänger Sinn, die mit der Learner Permit ja ohnehin nur in Begleitung fahren dürfen). Eine Kollegin von Uwe, die auch aus Deutschland kommt und den NY Führerschein schon hat, hat uns zu diesem Termin begleitet. Der Prüfer hat, noch bevor er gegrüßt hätte, festgestellt, dass die technische Inspektion des Mietautos überfällig war. In der Frontscheibe der Autos ist dafür ein Zettel angeklebt, den wir aus Unkenntnis nicht weiter beachtet hatten. Damit war unser erster Termin gelaufen. Wir durften aber mit einem anderen Auto zum zweiten Termin erneut erscheinen. Uwes Kollegin bot uns an, den Road-Test mit ihrem Auto durchzuführen. Ute wollte die Prüfung nicht mit einem Auto machen, welches sie noch nie gefahren ist. Also ist Uwe mit der Kollegin und derem Auto nochmal vorgefahren und Ute ist mit dem Mietauto unverrichteter Dinge wieder nach Hause gefahren. Der Prüfer war aber überhaupt nicht einverstanden, das Uwe wieder erschien, da der geplatzte Termin der von Uwe war und nun nur noch Utes Termin offen war. Es hat einige Überredungskunst und Entschuldigungen benötigt, ihn umzustimmen. Letztendlich hat er Uwe den Road-Test abgenommen, seine Laune war allerdings nun noch schlechter als zuvor. Glücklicherweise hat er keine größeren Haare in der Suppe gefunden und so war nach ca. 10 Minuten dieses Thema für Uwe erledigt. Für Ute mussten wir wieder per Internet-Anmeldung einen Termin reservieren. Wieder gingen mehr als vier Wochen ins Land ehe es soweit war (11. August) und wir mussten uns von der Autovermietung einen neuen Mietwagen geben lassen (siehe Foto Mietwagen Dodge Charger).
Zum nächsten Termin konnte Uwe nun Ute begleiten, da er ja inzwischen die NY Driver License hatte. Wir hatten wieder den schlechtgelaunten Prüfer und Utes Road-Test war nach ca. 5 Minuten zu Ende, nachdem sie beim Versuch des parallelen Einparkens (mit dem nach hinten sehr unübersichtlichem Dodge Charger) mit dem Hinterrad an den Bordstein gestoßen war - keine Korrektur oder Wiederholung wurde gestattet. Wir hatten dieses Einparken extra mehrfach probiert. Dabei ist Ute nie an den Bordstein gefahren, stand allerdings manchmal ein wenig weit davon weg. Ute war natürlich total fertig, hatte keine Lust auf weitere Prüfungen und wir haben zunächst einige Zeit abgewartet, ehe wir entschieden haben, sie für einen weiteren Test anzumelden. Dieser war nun endlich am 23. September. Zwischendurch haben wir von einem anderen Kollegen aus Deutschland erfahren, dass auch seine Ehefrau (die lustigerweise auch Ute heißt) nicht bestanden hatte. Auch sie hatte diesen unfreundlichen Prüfer erwischt und der hat mit den Worten "we cannot teach you Germans how to drive" (etwa: "wir können euch Deutschen nicht beibringen, wie man fährt"), wie wir meinen, seine Einstellung offen zum Ausdruck gebracht. Ute war natürlich nun wieder extrem aufgeregt. Wir hatten aber im Vorfeld schon beschlossen, dass wir es nicht nochmal versuchen würden, sondern sie dann eben "illegal" mit ihrem deutschen Führerschein weiterhin fährt (was nach 90 Tagen im Land nicht mehr okay ist). Diesmal haben wir Ute von einer "Eingeborenen" (Elaine - sie hat uns hier beim Übersiedeln geholfen) zum Road-Test begleiten lassen. Ob nun die andere Begleitung, die andere Prüferin oder Utes besseres Fahren den Ausschlag gegeben haben, wissen wir nicht. Jedenfalls ist Ute nicht gegen den Bordstein gefahren und hat den Test bestanden. Eine lange Geschichte hat ein gutes Ende gefunden. Das hat uns schon recht stark beschäftigt und wir sind jetzt alle erleichtert.

Autokauf

Wir haben zusätzlich zu dem von der Firma gestellten Mietwagen noch ein zweites Auto haben wollen, da man hier ohne Auto ziemlich wenig bewerkstelligen kann und ein Auto ja für Uwes Weg auf Arbeit notwendig ist. Wir haben uns verschiedene Möglichkeiten durchdacht (Kauf eines Gebrauchtwagens für die Zeit mit anschließendem Verkauf, Kauf eines Neuwagens, den wir mit nach Deutschland bringen und entweder selbst weiter nutzen oder in Deutschland verkaufen wollen). Da die Autopreise hier nicht so hoch sind wie in Deutschland, haben wir uns dafür entschieden ein Auto zu kaufen, was wir am Ende der Zeit nach Deutschland überführen werden. Für die Option es in Deutschland selbst weiter zu nutzen haben wir uns deutsche Autos angesehen (VW und Audi hauptsächlich). Für die Option es in Deutschland zu verkaufen, ist sicher ein US Fahrzeug ganz gut geeignet, da es dafür viele Fans in Deutschland gibt. Außerdem sollte unser Auto gut für den Winter geeignet sein (kein Hinterradantrieb) und in der Lage sein, unsere Fahrräder zu transportieren, damit wir an verschiedenen Stellen und im Urlaub mit dem Fahrrad Touren unternehmen können.
Letztendlich haben wir uns am 16. Juli ein "unvernünftiges" aber schönes US Auto zugelegt: Es handelt sich um einen roten Jeep Grand Cherokee (Overland) mit einem 8 Zylinder 5,7 Liter 360 PS Motor und permanentem Allradantrieb. Es ist ein SUV (Sports Utility Vehicle) vergleichbar vielleicht mit Audi Q3 oder Q5 oder VW Touareg. Wir haben so ziemlich alles an Ausstattung, was es bei diesem Auto zur Zeit gibt: Automatik, Klimaautomatik, Ledersitze (alle beheizt, vorn auch belüftet), beheiztes Lenkrad, DVD-Radio mit Touchscreen und Navi, Schiebedach, elektrisch verstellbarer Fahrer- und Beifahrersitz (mit Memoryfunktion für die Sitzposition von zwei Fahrern), Rückfahrkamera, Fahrwerk mit Höhenverstellung, Bi-Xenon Scheinwerfer, elektrische Heckklappe, Anhängerkupplung, ... - ein paar Bilder findet ihr am eMail.
Der Spritverbrauch liegt bei etwa 15 l/100 km, weshalb wir das Auto in Deutschland sicher nicht besitzen wollen. :-)

Urlaub

Dann waren wir auch eine Woche (vom 23.7 bis 30.7) im Sommerurlaub in Neuengland (New Hampshire, Maine, Vermont). Mehr Urlaub konnte Uwe leider im Sommer nicht bekommen, da gerade die ersten Anlagen in die neue Fabrik gebracht wurden und sie alle an das System angeschlossen und automatisiert werden müssen. Zuerst waren wir an der Atlantikküste nördlich von Boston (die erste Nacht in Portsmouth (NH), danach vier Nächte in Goose Rocks Beach bei Kennebunkport (ME) im "Ocean Woods Resort" - siehe Foto) und dann in den White Mountains (NH) (zwei Nächte in Lancaster (NH)). Vielleicht habt ihr Lust auf die Links zu klicken und zu sehen, wo das ist und was es dazu im deutschen Wikipedia zu lesen gibt. Unter anderem haben wir uns an einem Strandtag alle ein wenig verbrannt, ein Straßenbahnmuseum besucht, eine Schiffstour unternommen, um Wale und Delphine zu sehen, den Gipfel des Mount Washington , des höchsten Berges von New Hampshire, mit dem Auto "bestiegen" und insgesamt ca. 1000 Meilen = 1600 km im Auto zurückgelegt. Dafür haben wir das Mietauto benutzt und unseren neuen schönen Spritschlucker in unserer Garage geschont.

Sommerattraktionen in unserer Gegend

Es gibt hier im Sommer viele Attraktionen. Ob es im Herbst und Winter auch abwechslungsreich ist, werden wir später berichten. Saratoga Springs ist bekannt für Pferdesport. Es gibt in der Saison (dieses Jahr vom 22. Juli bis zum Labor Day, 5. September) auf dem Saratoga Race Course an sechs von sieben Wochentagen Pferderennen. Wir waren uns das Spektakel an zwei Wochenendtagen auch mal ansehen. Beim Wetten (mit kleinen Beträgen natürlich) haben wir erwartungsgemäß - getreu dem Motto "Glück im Spiel, Pech in der Liebe" - keinen Erfolg gehabt. Aber das ganze Drumherum war schon recht interessant. Die Leute haben die Tage bei schönem Wetter auf der Anlage der Reitbahn wie in einem Park verbracht. Sie sind mit Campingmöbeln, Grill, Speisen und Getränken für den ganzen Tag ausgerüstet gewesen und haben das Renngeschehen nur an den Monitoren verfolgt, die überall angebracht sind (siehe Foto). Wir selbst haben die meiste Zeit auf der Tribüne der Rennbahn gestanden oder gesessen und auch unsere mitgebrachten kleinen Snacks gegessen (Obst, Muffins, Crackers usw.).
Während der Rennsaison finden zahlreiche Kulturereignisse statt. Saratoga Springs hat im Saratoga Spa State Park (vergleichbar mit dem Großen Garten in Dresden) das Saratoga Performing Arts Center (kurz SPAC) - ein offenes oder teilüberdachtes Theater. Wir haben uns zwei Veranstaltungen mit dem Philadelphia Orchestra angesehen - "Broadway to Hollywood" (Musical Ausschnitte) und "Tschaikowsky Spectacular" (Violinkonzert). Beim Musical Konzert waren wir zusammen mit Anika, Laura und Lauras Vati (s.u.).
Wir waren unter anderem beim Rodeo, im Autokino, zu Anikas Geburtstag beim Bowling und im Adirondack Animal Land - einem Tierpark. Ihr merkt schon es gibt genügend Freizeitmöglichkeiten. Einige Attraktionen mussten wir uns für nächsten Sommer aufheben.
Ansonsten haben wir zweimal mit Freunden gegrillt - einmal davon als Überraschung von Ute mit Uwes Kollegen organisiert zu seinem Geburtstag. Im Saratoga Spa State Park gibt es eine Picknick Area in der fest installierte Grills und Tische mit Bänken vorhanden sind. Dort kann jedermann Grillen. Es gibt sogar öffentliche Toiletten. Das ist also für Familien wie uns - ohne Terrasse und ohne Grill - eine gute Möglichkeit mal zu Grillgenuss zu kommen. Außerdem kann man auf den Flächen zwischen Grills und Sitzgelegenheiten Ball, Frisbee oder ähnliches spielen (siehe Fotos).
Letztes Wochenende waren wir ein paar Meilen nördlich von hier zum Adirondack Balloon Festival. Bei dieser Veranstaltung starteten innerhalb kurzer Zeit ca. 50 bis 60 Heissluftballons. Es war ein sehr schönes und einmaliges Bild am Himmel und eine herrliche Atmosphäre. Da fühlt man sich schon wie im Urlaub.

Anika

Anika geht seit dem 6. September endlich wieder in die Schule. Die Ferien fand sie teilweise recht langweilig, da sie hier doch noch nicht so viele Kontakte hat wie zu Hause. Allerdings hat sie seit Anfang August eine neue Freundin - Laura aus Radebeul, die jetzt ein Jahr bei ihrem Vati verbringt, mit Anika an die selbe Schule geht und in unserem Wohngebiet wohnt. Laura ist ein Jahr älter und geht also in die 10. Klasse.
Am 2. September fand zur Eröffnung des neuen Schuljahres ein Info-Tag an der Ballston Spa High School für die "Freshman" (Schüler der 9. Klasse, also der ersten Klasse an einer High School) und deren Eltern statt. An diesem Tag haben die Schüler die Schule und ihre Lehrer kennengelernt und ihren Stundenplan bekommen. Die Eltern haben einige wichtige Informationen erhalten. Anika macht die Schule wieder Spaß und sie bringt oft gute Bewertungen nach Hause. Es gibt recht viele Hausaufgaben, die Anika teilweise gemeinsam mit Laura erledigt. An der High School gibt es ein Kurssystem ohne feste Klassenstruktur - jeder Schüler hat einen individuellen Stundenplan. So hat Anika mit Laura gemeinsam Geometrie und in Biologie haben beide dieselbe Lehrerin und können dadurch gemeinsam Hausaufgaben machen. In Französisch haben wir Anika in die 10. Klasse gesteckt, nachdem sie im April, Mai gemerkt hatte, dass sie in Französisch den gleichaltrigen überlegen war (da sie zu Hause schon eher mit Französisch angefangen hatte als hier).
Ein Elternabend hat auch schon stattgefunden. Der war für uns sehr interessant. Alle Eltern haben einen Plan bekommen und sind nach diesem Plan in je acht Klassenräume gegangen, in denen die jeweiligen Fachlehrer immer 10 Minuten Zeit hatten, sich und ihr Fach vorzustellen. Dann wurde innerhalb von 4 Minuten in den nächsten Raum gewechselt. Das ist vergleichbar mit dem Ablauf an einem Schultag (nur das die Stunden natürlich nicht nur 10 Minuten lang sind). Man konnte sehen wie hektisch es ist, in vier Minuten quer durchs Haus in den nächsten Raum zu wechseln, wenn alle anderen das gleichzeitig auch machen. Diese Art Elternabend war eine interessante Erfahrung.
Anika geht immer noch Reiten und hat sich kürzlich eine Gitarre gekauft, um sich autodidaktisch das Gitarre spielen beizubringen. Dazu trällert sie kräftig.

Ute

Ute geht es seit der bestandenen Fahrprüfung richtig gut. Sie traut sich schon seit einer Weile selbst mit dem Auto "in die Welt" - zum Einkaufen, in die Bibliothek, zum Besuch zu ihrer Ex-Englischlehrerin oder zum Abholen von Anika aus der Schule. Außerdem hat Ute wieder angefangen, Zeit mit Handarbeiten und an der Nähmaschine zu verbringen. Als Ute kürzlich die von zu Hause mitgebrachte Nähmaschine erstmals hier nutzen wollte, musste sie feststellen, dass sie leider nicht funktioniert. Evtl. hat sie die Strapazen der Reise hierher nicht überstanden. Also mussten wir notgedrungen eine neue Nähmaschine hier kaufen. Glücklicherweise sind Nähmaschinen ja nicht mehr so teuer wie noch vor Jahren.

Uwe

Bei GLOBALFOUNDRIES geht es mehr oder weniger planmäßig vorwärts. Es beginnt hektischer zu werden. Nicht immer hören die Kollegen hier auf die Erfahrungen der Leute aus Dresden. Einige Kollegen hier stellen alles mögliche in Frage und wollen überall ändern. Das macht es manchmal nicht so einfach. Uwe hat aber sowohl hier ein paar Kollegen aus Dresden, mit den er gut zusammen arbeitet als auch hat er nach wie vor sehr gute Kontakte zu den Kollegen in Dresden. Also - alles okay.

Damit wollen wir unseren langen Bericht beenden. Uns geht es gut. Wir denken langsam in Richtung Dezember. Dann werden wir für zwei Wochen über Weihnachten und den Jahreswechsel nach Hause kommen. Falls es etwas Interessantes zu berichten gibt, melden wir uns davor nochmal - vielleicht mit Schneebildern

Viele liebe Grüße
Anika, Ute, Uwe