Familie Liebold im Web / USA 2011-2013

One Month Already Done

Keine Angst – wir schreiben dieses eMail nicht in Englisch, auch wenn einige Empfänger sich das gewünscht haben. Wir wollen alle erreichen und unsere Ausdrucksmöglichkeiten in Deutsch sind natürlich viel besser als die in Englisch.

Zuerst einmal vielen Dank an alle, die geantwortet haben. Wir freuen uns natürlich über Rückmeldungen. Wir haben vielfach den Wunsch erhalten, weiter von unserem Leben hier zu berichten.

Wie der Titel schon sagt, haben wir jetzt schon einen Monat USA-Leben hinter uns. Man kann nicht direkt sagen, dass schon das richtige Alltagsleben eingekehrt wäre. Dazu gab es zu viel Abwechslung. Wir wollen versuchen, euch die interessantesten Begebenheiten und Ereignisse mitzuteilen.

Unser Handy-Kauf

Wir sagen hier nicht Handy sondern cell phone oder mobile phone (oder kurz: mobil). Um Erreichbar zu sein, haben wir beschlossen, wir brauchen ein Handy für Ute und eins für Anika. Uwe ist ohnehin auf Arbeit über das Telefon am Schreibtisch erreichtbar oder wir sind als Familie über Utes Handy erreichbar. Ein Festnetztelefon wollten wir nicht erst anschaffen, da es zusätzliche Kosten verursacht. Wir finden die Preise für das Telefonieren (Anschluss und/oder monatliche Kosten) recht hoch. Es gibt keine preiswerten Prepaid Angebote – zumindest wenn man das Gesamtpaket aus Festkosten und verbrauchsabhängigen Kosten betrachtet. Bedenkenswert ist, dass man hier für empfangene Gespräche und SMS auch bezahlt (Sender und Empfänger teilen sich die Kosten). Damit lassen sich die verbrauchsabhängigen Kosten schlechter vorhersagen.
Wir haben uns nach recht langem Suchen für einen Vertrag bei AT&T entschieden. Wir können für zwei Anschlüsse einen “family plan“ abschliessen, in den man bei Bedarf recht günstig weitere Anschlüsse (etwa für Uwe) integrieren kann.
Ein Abschluss des Vertrags incl. dem Kauf der Geräte über Internet scheiterte daran, dass wir hier nicht kreditwürdig sind (wir haben keine credit history). Man muss möglichst Schulden machen, sie pünktlich bezahlen, Rechnungen bei Telefonverträgen pünktlich zahlen usw. um kreditwürdig zu sein. Das werden wir sicher am Ende der zwei Jahre geschafft haben ;)
Jedenfalls blieb uns die Möglichkeit, diesen Vertrag im Geschäft abzuschliessen. Leider ist dort alles ein wenig teurer. Es gibt dort teilweise nicht so preiswerte Geräte und im Internet entfiel die Anschlussgebühr. Im Laden gab es dafür die Möglichkeit eine Kaution zu hinterlegen ($500.- pro Anschluss), die wir nach einem Jahr zurückerstattet bekommen. Jetzt hat also AT&T Eintausend Dollar zinslosen Kredit von uns und hilft uns dabei hier eine Kreditwürdigkeit für uns zu etablieren.

Online Überweisung an Luisa

Luisa hat vor unserer Ankunft am 1. April bereits viele Sachen für unsere Wohnung gekauft. Um ihr diese Kosten zu erstatten, wollte Uwe selbstverständlich Online Banking nutzen. Wir haben ein Konto bei der HSBC Bank und Luisa ist bei der Bank of America. Luisa hat uns also ihre Kontoinformation mitgeteilt und wir haben uns beeilt, bald zu überweisen, damit unsere Studentin nicht verhungert.
Am 4. April konnten wir auch sehen, dass das Geld von unserem Konto abgebucht wurde. Aber unsere ständigen Nachfragen bei Luisa haben immer die Antwort bekommen, dass das Geld noch nicht auf ihrem Konto gutgeschrieben wurde. Also haben wir bei unserer Bank mal nachgefragt. Wir wollten uns eine Kreditkarte auf unser Konto ausstellen lassen, mit der wir dann häufig zahlen und die Kreditkartenrechnung pünktlich begleichen. Das hilft beim Thema Kreditwürdigkeit – siehe oben.
Der nette Bankmitarbeiter mit Schlips und Kragen (wie in Deutschland) hat erstmal gesagt, es kann durchaus bis zu fünf Banktage dauern. Wir sollten uns gedulden. Später haben wir mehrmals per eMail nachgehakt – manchmal bekommt man den Eindruck, es braucht immer mindestens zwei Aufforderungen, ehe etwas geschieht oder von mehreren Fragen in eMails wird nur eine beantwortet.
Der Vorgang – hätte er funktioniert – hätte Luisa einen Scheck per Post zugestellt. Zur Erinnerung: Schecks sind die bunten Formulare etwa in Geldscheingrösse, die man mit einem Betrag versehen, jemanden übergeben kann, um etwas zu zahlen. Ich kenne das auch noch aus Deutschland – aber wir haben ja auch jüngere Leser ;) unter uns.
Da also der Scheck offensichtlich nicht angekommen war, hat der freundliche Bankmitarbeiter den Scheck gesperrt (placed a stop payment on the check) und weitere vier Banktage später hatten wir das Geld wieder auf dem Konto.
Wir haben Luisa dann selbst einen Scheck ausgestellt und ihn persönlich übergeben– haben online Schecks bestellt und gleich 200 Stück zugesandt bekommen.
Nun hat sie nach langer Zeit endlich ihr Geld und wir versuchen sicher nicht mehr die modernen, technischen Möglichkeiten über Gebühr auszureizen - armes Amerika.
Wir bezahlen Strom und Wasser und ähnliche Rechnungen übrigens auch per Scheck, der in einem Rückumschlag per Post an den Empfänger geschickt wird.

Frühling in Upstate New York

Hierzu kann man noch nichts berichten – hat noch nicht stattgefunden.
Das Wetter ist im ersten Monat eine Katastrophe gewesen und wir wollten im Frühling hier ankommen. Nun waren wir nicht direkt von Tornados betroffen, aber Ausläufer davon waren auch hier spürbar. Der von uns aus nächste Touchdown (Auftreffen eines Tornados auf die Erde mit den bekannten Verwüstungen) war in Frankfort, NY, etwa 100 km Luftlinie entfernt (westlich). Es gab eine Menge Regen (der Hudson River führt Hochwasser), es war sehr oft starker Wind, es ist bis auf drei, vier Tage eigentlich immer sehr kalt oder mindestens unangenehm frisch und am Ostersamstag lag früh Schnee. Der hat sich zum Glück nicht lange gehalten und wurde von heftigem Regen noch am selben Tag fortgespült.

Apropos Ostern

Zu Ostern gibt es hier weder Karfreitag noch Ostermontag arbeits- oder schulfrei. Anika hatte in der Woche vor Ostern eine Woche Ferien und Uwe hat gleich eine Woche Urlaub genommen, um eine wenig von den ganzen Anstrengungen im Zusammenhang mit dem Umzug zu erholen. Von daher hatten wir am Karfreitag frei – der Tag an dem Marcus mit Freundin Sandra für zwei Wochen Urlaub in New York J.F. Kennedy Airport ankamen – mehr dazu siehe unten.
Also Ostern haben wir daran bemerkt, dass im Lebensmittelsupermarkt zwei Regalreihen mit Ostersüssigkeiten und –schmuck eingerichtet waren. Ausserdem stand an vielen Geschäften, dass am Ostersonntag zu ist oder nur kürzer geöffnet ist. Der kleine Laden um die Ecke mit Reit- und Pferdebedarf war geöffnet. Na gibt es da etwa kein Ladenschlussgesetz? Aus unserer Sicht ein Pluspunkt für hier.
Das Easter-Egg-Hunting ist ein öffentlich organisiertes Ostereiersuchen für Kinder von 3 bis ca.11 Jahren, welches oft auf großen Wiesen veranstaltet wird. Dieses Jahr wurde es wegen starken Regenfällen und Kälte auf den Sonntag nach Ostern verschoben :-).
Unsere Kinder haben in der Wohnung gesucht und wir hatten viel Spass dabei!

Marcus mit Freundin auf USA Urlaub

Wir haben gebangt, ob unser Seefrachtcontainer mit allem was wir nicht in den Gepäckstücken auf dem Flug mit hierher nehmen konnten, rechtzeitig vor unserem Besuch ankommt. Darin befand sich ausser Bettdecken und –bezügen, Schlafsack, Isomatte, Gästebett und Klappstühlen auch so wichtige Sachen wie Töpfe, Teller, Besteck usw. Lange Rede kurzer Sinn. Am Mittwoch in der Ferienwoche (nach ca. 5 wöchiger Reisezeit) und zwei Tage vor dem Besuch konnten wir alles wohlversehrt in Empfang nehmen. Unser Leben hat qualitativ gleich ein wenig gewonnen. Auch die Auswahl an Kleidung für uns alle hat wieder ein normales Mass angenommen?
Wir haben Marcus und Sandra am Flughafen abgeholt, sind über New Britain, CT (wo Marcus Luisas Auto für den Urlaub bekommen hat) hierher gefahren. Ein langer Tag für die zwei. Danach haben wir eine Woche zu fünft hier verbracht und den beiden soviel als möglich von unserer “neuen Heimat auf Zeit“ gezeigt. Sie sind dann von hier auch auf einen Zweitagetrip an die Niagarafälle gefahren. Zur Zeit sind sie bei Luisa. Am Sonntag 1. Mai waren wir alle in New York City und haben die Freiheitstatue besichtigt. Luisa hatte schon vor langer Zeit Karten zur Besteigung der Krone der Statue besorgt. Das war ein schöner und sehr anstrengender Tag. New York City ist sowohl von uns als auch von Luisa ein ganz ordentliches Stück entfernt. Wir sind jeweils ca. zwei Stunden mit dem Zug und mit dem Auto gefahren. Aber der Weg ist das Ziel und das gehört auch zum "American way of life"!

Die englische Sprache

Bei diesem Thema gibt es derzeit noch nicht zuviel Fortschritte zu melden. Wir müssen uns mehr in englischsprechende Umgebungen begeben. Wir verhalten uns wie die Türken in Deutschland und reden zu Hause Deutsch. ;)
Ausserdem haben wir eben auch öfter mit Deutschen zu tun. Im Fernsehen und Geschäften gibt es natürlich kein Entkommen vor der englischen Sprache. Anika hat in der Schule evtl. den grössten Zuwachs an Englischsprachkenntnissen. Sie lernt zum Beispiel im Französischunterricht gleich zwei Fremdsprachen. Ute hat letzte Woche mit Englischunterricht begonnen. Die Trainerin kommt ins Haus. Uwe muss natürlich auf Arbeit auch Englisch reden. Dabei handelt es sich aber meist um fachliche Begriffe.

Das soll es für heute erstmal gewesen sein. Wir wollen ja auch für das nächste eMail noch einige Themen aufheben ;)

Viele liebe Grüsse aus Ballston Spa, NY Eure Familie Liebold